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grupo Neptun Neptun denomina o grupo brasileiro precursor da associação Ëule registrada na Alemanha
Neptun designates the Brazilian group which was the precursor of the Eule society registered in Germany
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2012_002 IV. Alpiner Skikurs 1912 in Oberammergau. -
Mit Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit die Herrlichkeit des Wintergebirges erschlossen
Im Januar 1912 – also vor genau 100 Jahren – fand in Oberammergau ein besonderes sportliches Ereignis statt: der IV. Alpine Skikurs nach Lilienfelder Technik. Als Kursleiter hatte der Alpine Ski-Club München wiederum den Österreicher Mathias Zdarsky (1856-1940) gewinnen können. Der „Vater des alpinen Skifahrens“ hatte schon in den Jahren 1909 bis 1911 in Garmisch-Partenkirchen Hunderte von Teilnehmern zu begeisterten Ski-Fahrern gemacht.
Es war eine bunt-gemischte Schar, die sich am Montag, 15. Januar 1912 trotz zunächst schnee-armem Wetter in Oberammergau vor dem Hotel Wittelsbach versammelte.
159 Personen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland warteten auf das Kommando „Abmarsch, alles mir nach!“ Alle – ob blutige Anfänger, „alte“ Hasen oder auch Wiederholer – alle waren begierig, sich bis zum 21. Januar in die Geheimnisse des Alpinen Skifahrens nach Lilienfelder Technik einführen zu lassen oder die eigene Technik zu verbessern.
Ziel für die Neuen war, sich mittels der damals zweckmäßigen Einstock-Technik im alpinen Gelände auf kürzeren Skiern in aneinander gereihten Bögen „sturzfrei, flott“ zu bewegen – und eben nicht den Berg einfach nur im Schuß hinunterzufahren. Garant dafür, daß auch Anfänger dieses Ziel in kürzester Zeit erreichen konnten, war Mathias Zdarsky, der es verstand, mit zielbewußtem Auftreten und diszipliniertem schulmäßigem „Drill“ große Massen zu unterrichten und zu raschem Erfolg zu führen. Mit seiner Methode und gewinnenden Art gelang es ihm, den Funken der Begeisterung für die Bewegung in der Natur zu vermitteln.
Zu den Kurs-Teilnehmern, die der mittleren und gehobenen Gesellschaft angehörten, zählten natürlich auch viele Oberammergauer Handwerker, Kaufleute, Hotelbesitzer und Künstler (Maler, Bildhauer, Schnitzer). Selbst der größte Unternehmer am Ort, der Besitzer des renommierten Holzschnitzwarenverlages Georg Lang sel. Erben Kommerzienrat Guido Lang (1856-1921), ein Mitfünfziger, war neugierig auf `s Skifahren.
Übrigens kann man feststellen, daß der Anteil der Frauen am Kurs gegenüber den ersten Veranstaltungen enorm gestiegen war. Waren unter den Teilnehmern des 1. Kurses im Jahr 1909 nur etwas mehr als 10% Frauen gewesen, so waren es nun schon 26%! Unter ihnen befand sich auch die Schriftstellerin Eva Gräfin zu Baudissin (1869-1943), die seit 1908 in München lebte. Wie sie den Kurs und „köstliche, frohe Tage“ unter Zdarskys Leitung erlebte, hat sie 1914 in ihrem Buch „`Sie`am Seil“ in einem eigenen Kapitel beschrieben.
Die Gräfin war von der Veranstaltung genauso begeistert, wie die anderen Teilnehmer, die nach Kursende an einer Umfrage teilnahmen und sich dabei lobend über Kurs, Methode und den Leiter äußerten.
Bewundert hat Eva zu Baudissin insbesondere Zdarskys Fähigkeit, eine disziplinlose Masse (mit Ungehorsam, Widerspruch, Besserwisserei) so zu führen, daß sie ihm aufs Wort gehorchte. „Es ist geradezu spaßhaft zu sehen, wie zahm auch die Kecksten werden; und wie man selbst auch nicht auf den Gedanken käme, irgend etwas anderes zu machen, als er es in unermüdlicher Geduld „vorturnt“.
Dies genaue, schulmäßige Wiederholen aller Übungen tut auch dem Vorgeschrittenen gut.“ In höchstem Maße erstaunt war sie von der Selbstlosigkeit Zdarskys, der mit ungeheurer Nächstenliebe und Aufopferung, ohne jegliches Entgelt, Winter für Winter Hunderte anlernt, um ihnen Bergtouren im Winter zu ermöglichen.
Gleich in den ersten Tagen – Dienstag und Mittwoch - hatte es dann doch noch zu schneien begonnen, so daß am Ende des Kurses eine erste Tagestour zum Laber-Joch hinauf starten konnte. Den Weg hatte Zdarsky so gewählt, daß alles bis dahin Erlernte zur Anwendung kam: Hindernisse nehmen, Zäune überklettern, Bäche durchwaten – dann hieß es „Abschnallen“, und über eine Stunde mußten die Skier auf der Schulter einen steilen, vereisten Hohlweg hinaufgetragen werden. … unvorstellbar für die heutigen Lift-verwöhnten Skifahrer!
Zur Belohnung wurde auf einem sonnenbeschienenen Flecken schließlich eine ein-stündige Rast gehalten. Nachdem der Platz mit „Rieseneifer“ vorschriftsmäßig hergerichtet, also „ausgetreten“, war (das war u.a. ein Thema bei Zdarskys allabendlichen Vorträgen), man auf den Skiern saß, die Fäustlinge zum Wärmen über die Fußspitzen gezogen hatte, entwickelte sich blitzschnell ein „lustiges Lagerleben“, bei welchem das Tee-Kochen so seine Tücken hatte …
Das Kommando „Anschnallen“ mahnte zum Aufbruch; nachdem die Rucksäcke gepackt, und so „modelliert“ waren, daß nichts drückte, führte Zdarsky die Kolonne von über hundert Personen in langen Serpentinen weiter hinauf in Richtung Joch. Es spricht für Zdarskys umsichtiges Handeln, daß er das Kommando „abfahren“ gab, nachdem absehbar war, daß das Gros der „Säuglinge“ (wie er seine Schüler mit Vorliebe zu nennen pflegte) es nicht vor Einbruch der Dunkelheit bis hinauf und wieder zurück schaffen würde. Die Abfahrt mit tellerbrüchigem Schnee war abenteuerlich und von so manchem Sturz begleitet – aber schließlich kam das Dorf doch in Sichtweite, überspannt von einem zauberhaften Abendhimmel. Alle waren froh - „glücklich und ziemlich heil“.
Am Ende schwingt etwas Wehmut mit. „Und morgen geht’s fort. Eins hat nur gefehlt: Neuschnee.“ Trotzdem stellt Eva von Baudissin fest:
„Aber der Mensch darf nicht alles haben wollen! - Von niemand besser als von Zdarsky, diesem seltsamen, großen Menschen, kann man ja Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit lernen. Das ist ein Geschenk an seine „Säuglinge“ - ein größeres noch als seine Kunst, die uns die Herrlichkeiten des Wintergebirges erschließt.“
Der letzte Tag
Bei herrlichstem, sonnigem Wetter unternahm Zdarsky am Sonntag, 21. Januar zusammen mit seinen Säuglingen, die gute Fortschritte gemacht hatten, einen letzten gemeinsamen Aufstieg zum Aufacker. Dann hieß es Abschied nehmen. Abends wurden am Bahnhof herzliche Worte gewechselt. Für die Kursteilnehmer sprach Generalmajor und Brigadekommandeur Max Ritter von Höhn aus München. In begeisterten Worten betonte er den sozialen Wert der Zdarsky`schen Schule, lobte den lehrreichen Inhalt der Vorträge und bezeichnete Zdarsky zusammenfassend als „einen Nationalhelden von seltener Begabung und einen musterhaften Pädagogen“.
Mit einem dreifachen Hurra, einem „nicht endenwollenden Händedrücken – jeder wollte noch persönlich dankende Worte mit dem in so kurzer Zeit allen sympathisch gewordenen Manne wechseln“ – und einem herzlichen „Ski-Heil, Zdarsky! Auf Wiedersehen!“ endete der IV. Alpine Skikurs.
Ach ja – wer jetzt noch wissen möchte, wer denn nun das „feldmäßige“ Tee-Kochen besser beherrscht – Männer oder Frauen? - der kann es in „`Sie`am Seil“ im Kapitel >>Bei den „Säuglingen“<< erfahren.
* * *
Die Fotos mit Impressionen vom IV. Alpinen Skikurs in Oberammergau verdanken wir Florian Lang aus Oberammergau.
... Zum Nachlesen ...
Eulenspiegel 2011_003:
Aus der Pionierzeit des Alpinen Skilaufs.
Vor 100 Jahren begeisterte der Skipionier Mathias Zdarsky die Massen mit seiner Skifahrtechnik und Lehrmethode
Über den IV. Kurs berichteten:
1) Der Schnee (Wochenschrift des Alpinen-Skivereines) in Nr. 17, Jahrgang VII, 1. Februar 1912, S. 1 bis 2
2) Münchner Neueste Nachrichten am 21. und 25. Januar 1912.
Eva von Baudissin: „`Sie`am Seil“, München 1914.
Informationen zu Mathias Zdarsky, bzw. zur historischen Alpinen Ski-Technik bietet das Bezirksheimatmuseum Lilienfeld (mit Zdarsky-Skimuseum und Zdarsky-Archiv),
A-3180 Lilienfeld (www.zdarsky-ski-museum.at)
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(08.01.2012 15:49) Von ID |
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