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2012_001
„fil god iar - vn e lage lebin“

Mit Glockenklang, Krachern aller Art, Leucht-Raketen, sprühenden Glitzer-Feuerwerken, Knall-Fröschen, Heerscharen von Glücks-Käfern, rosa Marzipan-Schweinderln, Schwammerln, Kleeblättern, Schornsteinfegern und vielen anderen Glücksbringern begrüßen wir alljährlich in der Silvester-Nacht das neue Jahr. „Viel Glück“ heißt es dann auch in den folgenden Tagen bis zum 6. Januar. Glück wünschen – das gab es auch schon in früheren Jahrhunderten, wie unser Neujahrswunsch mit dem Christkind zeigt. Wer nun meint, wir hätten an Silvester vielleicht zu viel gefeiert, der irrt …

Zur Abbildung „Neujahrswunsch“ - einem kolorierten Einblattdruck aus der Zeit um 1430 – haben wir folgende Beschreibung gefunden:

„Auf einem Kissen sitzt das Christkind und hält in seinen Händen den als Glücksvogel geltenden Kuckuck [Anm.: eine andere Quelle bezeichnet den Vogel als Papagei].
Dieses im 15. Jahrhundert beliebteste Motiv eines Neujahrswunsches ist hier von reichem Beiwerk umgeben. Links liegt eine winzige Küstenlandschaft beschlossen in der vom Kreuz mit der Siegesfahne bekrönten Weltkugel. Vorn tummeln sich zwei Hasen, Symbole irdischer Fruchtbarkeit, liegt eine geöffnete Spanschachtel mit Süßigkeiten, wie man sie an Neujahr zu verschenken pflegte, und steht ein Blumenkorb, aus dem sich ein Spruchband mit der Aufschrift „vil god iar“ entrollt. Aus der Kassette rechts quellen Spruchbänder gleichen Inhalts hervor, auch die auf dem Deckelrand stehende Taube des hl. Geistes hält ein solches im Schnabel. Oben fliegt ein Vogel mit einem Band, das die Worte „vn e lage lebin“ als zweiten Teil des Glückwunsches trägt.“

Die Darstellung mit dem Christkind als Glücksbringer, bzw. als Symbol für den Neubeginn des Lebens dürfte ein gefragtes Motiv gewesen sein, das in der Frühzeit des Holzschnittes (um 1400) in ähnlichen Versionen und verschiedenem Kolorit vervielfältigt und verbreitet wurde. Einige Exemplare haben sich bis heute erhalten.

Übrigens: das Christkind mit dem Jahresbeginn in Zusammenhang zu bringen ist gar nicht so abwegig, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Denn bis zum heute allgemein gültigen Neujahrsbeginn am 1. Januar beging man den Jahreswechsel früher zu verschiedenen Terminen. Durch die Jahrhunderte waren dies beispielsweise der 25. März, Ostern oder eben der 25. Dezember.

Wir wünschen unseren Lesern …

„Ein gutes neues Jahr und ein langes Leben“.

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Den Text zum Neujahrswunsch fanden wir im Kat. Ausst. „Die Frühzeit des Holzschnitts“, Staatliche Graphische Sammlung München 1970, S. 16 Nr. 44.

Die Abbildung stammt aus:
Henning Wendland: „Deutsche Holzschnitte bis zum Ende des 17. Jahrhunderts“. Neuausgabe des Blauen Buches von Heinrich Höhn aus den Jahren 1925, 1936, 1942. Königstein i. T., 1980, Abb. 10.





(01.01.2012  08:28)  Von ID
 

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