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2011_012
Weihnachten mit einem Christbaum - einfach überwältigend!

Allen Freunden und Förderern wünschen wir ein Frohes, besinnliches Weihnachtsfest 2011. .... Weihnachten ohne Christbaum – das können sich viele nicht vorstellen. Welche Gedanken sich Rainer Maria Rilke über eine Tanne machte und wie die englische Kunststudentin Anna Mary Howitt 1851 einen Christbaum beschrieb, stellen wir im folgenden vor.

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

***********************************

Von der Pracht und Herrlichkeit eines Christbaumes erfahren wir von Anna Mary Howitt (1824-1884), die 1850 nach München gekommen war, um an der Kunstakademie zu studieren.
Was sie hier bis 1852 erlebte und beobachtete, hat sie in Briefen festgehalten, die 1853 in London unter dem Titel „An Art-Student in Munich“ veröffentlicht wurden.


Weihnachten 1851 war sie bei der Familie des königlichen Hofrates und Advokaten Georg von Dessauer (1795-1870) eingeladen. Eine Kutsche brachte sie am zweiten Weihnachtsfeiertag durch die schneebedeckten Straßen und den verschneiten Englischen Garten in das in der Königinstraße 6 gelegene Palais, „um dabei zu sein, wenn der großartige Christbaum der Frau Hofrätin erneut angezündet wird.“

Die in der Mitte des Salons aufgestellte, über und über mit verschiedenem Zuckerwerk, Nüssen, Kerzen und Schnüren von glitzernden Glasperlen geschmückte hohe Tanne, beeindruckte die junge Studentin besonders. Sie schrieb darüber:

„... Während des Kaffeetrinkens zündete hinter einer Falttüre, welche die zwei Salons trennte, Heinrich von Dessauer den Christbaum an und alle Kinder der Gesellschaft vergaßen vor Aufregung ihren Kaffee. Schließlich flogen die Türen auf, jeder setzte seine Kaffeetasse ab und trat durch die Tür: da brannte der zauberhafte Baum – als ob er direkt aus einem Märchen käme.
Es war ein hoher pyramidenförmiger Baum, der in den Tiroler Bergen geschlagen worden war. Seine unteren Äste lagen auf dem polierten weißen Boden des Salons, seine oberen mit Kerzen bedeckten Äste reichten bis an die bemalte Decke. Jedes Zweiglein war beladen mit Früchten, Gebäck, goldenen Bonbons und Hunderten von flackernden Kerzen, die glitzerten und glühten wie Blüten aus Feuer und eine brillante Illumination auf die Fresken von Kaulbach und die luxuriösen Festons aus Blumen und Blättern von Neureuther warfen, die die Wände bedeckten … Es war einfach überwältigend.“

Quelle:
Anna Mary Howitt: “Herrliche Kunststadt München. Briefe einer englischen Kunststudentin 1850-1852.“
Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Cornelia Oelwein, Dachau, 2002
“Weihnachten“ ist beschrieben auf den Seiten 193-198; Erläuterungen S. 250-251.







(23.12.2011  07:32)  Von ID
 

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