| GRUPPE NEPTUN |
 |
grupo Neptun Neptun denomina o grupo brasileiro precursor da associação Ëule registrada na Alemanha
Neptun designates the Brazilian group which was the precursor of the Eule society registered in Germany
|
|
|
 |
|
| Eulenspiegel (Neuigkeiten) |
Zur Übersicht

|    | Klicken Sie auf ein Bild um es im Großformat in der Galerie zu sehen.
4 Bilder insgesamt zur Galerie |
|
2010_011 Was für ein Theater!
Ging in die Chronik der berühmten Münchener Künstlerfeste ein – der Sommernachtstraum in Murnau 1910
Zu den vielen bedeutsamen Ereignissen des Jahres 1910 gehörten in München die 100. Jubiläums-Wiesn und die Festspiele des Deutschen Theaters Berlin, das im Münchener Künstlertheater gastierte. Oberammergau lud das 30. Mal zum Passionsspiel ein. Und auch Murnau hatte einiges zu bieten ...
Am 3. Juli hatte Heinrich Rambold sein Gewerbe „Verkauf von selbstgefertigten Glaswandbildern“ angemeldet, um weiter dafür zu sorgen, „daß die Glasbilder nicht aussterben“.
Seit dem Frühjahr wurde auf einer Baustelle neben der Pfarrkirche St. Nikolaus auf Hochtouren gearbeitet. Dort entstand, wie Gabriele Münter und Wassily Kandinsky beobachteten konnten, wenn sie aus dem Fenster des „Russenhauses“ sahen, das neue von Emanuel von Seidl geplante Mädchenschulhaus, das eines der schönsten Schulhäuser Oberbayerns werden sollte. Als Kandinsky den Rohbau im Sommer in einer Studie festhielt, waren in Murnau die Vorbereitungen für den gesellschaftlichen Höhepunkt des Jahres 1910 in vollem Gange. Erwartet wurden eine Schar illustrer Gäste, Königinnen, Musiker, Tänzerinnen, Elfen, Feen und Kobolde …
Königliches Fest im „Gelobten Land“
Denn „Zu Ehren des allerhöchsten Besuches I. Majestät der Königin Maria beider Sizilien u. I. Majestät der Königin Elisabeth von Belgien“ sollte am 28. August 1910 in Murnau ein Gartenfest mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ stattfinden. Um dieses Vorhaben durchzuführen bedurfte es in erster Linie zweier genialer Köpfe, die sich in einzigartiger Weise ergänzten: Emanuel von Seidl (1856-1919) und Max Reinhardt (1873–1943).
Seidl, dessen Murnauer Landhaus mit großem Park sich zu einem Mittelpunkt geselligen Lebens entwickelt hatte, war nicht nur einer der gefragtesten süddeutschen Villen- und Landhausarchitekten, sondern auch ein Meister der Gestaltung von Ausstellungen und prunkvollen Festen, wie er in der vergangenen Jahren mehrfach bewiesen hatte. Wie seine erhalten gebliebenen Gästebücher bezeugen, scharte er dabei alles um sich, was Rang und Namen hat: Künstler, Gelehrte, Industrielle, Diplomaten und gekrönte Häupter. Nach dem Schützenfest von 1906 – von Felix Schlagintweit in seinen Erinnerungen anschaulich festgehalten – wollte Seidl 1910 seine Gäste in Shakespeares Sommernachtstraum entführen. Die ideale Bühne für ein derart glanzvolles Fest war seine weitläufige, nach eigenen Vorstellungen „komponierte“ Park-Anlage mit ihrem „Naturtheater im Gelobten Land“.
Für die Umsetzung war niemand besser geeignet als Max Reinhardt, der „Begründer des modernen Regietheaters“, der später der Vater der Salzburger Festspiele werden sollte. Zu dieser Zeit wirkte er in München, wo er für die Spielzeiten 1909 und 1910 das Münchner Künstlertheater (fertiggestellt 1908) im Ausstellungspark auf der Theresienhöhe gepachtet hatte, um die „Chance zur Erprobung neuer räumlicher Möglichkeiten außerhalb Berlins“ zu nutzen. Die Idee, den Sommernachtstraum – nachdem er ihn im Juni in einem Föhrenwald in Berlin-Nikolassee aufgeführt hatte - nun auch in Murnau auf einer einzigen großen Naturbühne zu inszenieren, mußte ihn faszinieren, kam es doch seiner Experimentier-Leidenschaft für besondere Schauplätze geradezu gelegen. Den Sommernachtstraum inszenierte Reinhardt im Lauf seines Lebens mehr als zehn mal. Der 1905 erstmals auf einer Drehbühne inszenierte Sommernachtstraum war ein Bombenerfolg bei der Berliner Theaterwelt. Reinhardt setzte modernste Beleuchtungs-Technik ein, holte den Himmel und die Natur auf die Bühne, wo er Wald und echtes Moos installierte. Die Bewegung, die er damit in Shakespeares Liebespaare und Zaubergeister brachte, war „etwas ganz Neues, etwas Umwälzendes“, das den Theaterbesuchern einen „berauschenden Anblick“ bot und sie zu Begeisterungsstürmen hinriß.
Berückendes Sommermärchen
Dass das auch in Murnau so werden würde, dafür garantierte die gemeinschaftliche Vorbereitung durch Seidl, seine Freunde und die Leitung des Münchner Künstlertheaters mit Max Reinhardt, Direktor Georg Fuchs (1868-1949) und Kunstmaler Ernst Stern (1876-1954), der Reinhardts erster Bühnenbildner und wichtigster künstlerischer Mitarbeiter war.
Alle Register ihres Könnens hatten sie gezogen und für die an wechselnden Schauplätzen auf Seidls Naturbühne zu spielenden Szenen eine beeindruckende Atmosphäre geschaffen mit herumhuschenden Irrlichtern, fackeltragenden Faunen, magischen Flammen, Rauchschwaden, schattenhaften Gestalten, Elfenreigen, einem ausgelassen umhertollenden und durch die Büsche schnellenden Puck, der in rasenden Purzelbäumen kreuz und quer schoß …
Ein gnädiger Wettergott (der wochenlange Regen hatte wundersamerweise doch noch rechtzeitig aufgehört), hochkarätige Stars des in München gastierenden Berliner Ensembles (Alexander Moissi als Oberon, Else Heims1 u.a.), die „zauberisch“ klingende Musik Mendelssohn-Bartholdys und die ins Spiel mit einbezogene Festgemeinde sorgten für ein einzigartiges, berückendes Sommermärchen, das die „Chronik der berühmten Münchener Kunstfeste um ein köstliches Kapitel“ bereicherte. Zu den zahlreichen mitspielenden Murnauer Statisten zählte Heinrich Rambold (1872-1953), der nicht nur ein überzeugter Hinterglasmaler und begeisterter Schifahrer war, sondern auch eine Passion für's Theaterspielen hatte.
Dem Zauber von Murnau erlegen
Da Rambold mit Seidl befreundet war, ist anzunehmen, daß er beim anschließenden berauschenden Mittsommernachts-Fest eingeladen war, bei dem - ganz nach Reinhardts Vorstellungen von Theater - Schauspieler und Zuschauer eine Gemeinschaft bildeten. Welche hochstehenden Persönlichkeiten und Berühmtheiten außer den königlichen Hoheiten Seidls Gästen waren, für die er alle Auslagen für Unterbringung und Verpflegung bestritt, zeigt ein Blick in sein Gästebuch. Dort verewigten sich u.a. Lolo von Lenbach, Marion Lenbach, Franz von Stuck, Mary von Stuck, Frida von Kaulbach, der Münchner Oberbürgermeister Dr. von Borscht und seine Frau Emma, Max Reinhardt und seine Ehefrau Else Heims-Reinhardt, Ernst Stern, Alexander Moissi, Elisabeth Weirauch, Richard Grossmann …
Gefeiert wurde jedenfalls noch so ausgelassen, daß am nächsten Tag das Münchner Theater-Publikum auf den Beginn der Veranstaltung – auch hier wurde der Sommernachtstraum gespielt - warten mußte, da die Darsteller dem Zauber von Murnau und einem gemeinsamen Bad im See erlegen waren …
Was der Staffelseebote über dieses denkwürdige Ereignis berichtete, ist nicht bekannt, denn es hat sich leider keine zeitgenössische Ausgabe erhalten.
Wer sich aber heute – nach 100 Jahren - vom Sommermärchen Murnau anno 1910 verzaubern lassen möchte, kann den sehr anschaulich verfaßten Beitrag in den Münchner Neuesten Nachrichten vom 30. August 1910 nachlesen, den wir hier als pfd-Dokument zur Verfügung stellen.
Kleine Literatur-Auswahl:
Birgit Ahrens:
>>„Denn die Bühne ist der Spiegel der Zeit“. Emil Orlik (1870-1932) und das Theater.<< Kiel 2001.
Eduard Devrient:
„Geschichte der deutschen Schauspielkunst“. Berlin 1929.
Georg Fuchs:
„Sturm und Drang um die Jahrhundertwende“, München 1936.
Heinrich Huesmann:
„Welttheater Reinhardt. Bauten, Spielstätten, Inszenierungen.“ München 1983.
Roland Koberg, Bernd Stegemann, Henrike Thomsen (Hg.):
„Max Reinhardt und das Deutsche Theater.“ Deutsches Theater Berlin 2005.
Münchner Neueste Nachrichten, Nr. 404, 30.08.1910:
„Ein Sommernachtstraum“.
Peter Raba:
„Murnau. Impressionen – Skizzen – Erinnerungen“. Murnau 1989. Darin: „Ein Sommernachtstraum“ (S. 23-26).
Felix Schlagintweit:
„Ein verliebtes Leben. Erinnerungen eines Münchner Arztes“. München 1943.
Ernst Stern:
„Bühnenbildner bei Max Reinhardt“, Berlin 1983
**********************************************
Unser Beitrag erschien in leicht gekürzter Fassung in der Altbayerischen Heimatpost, 62. Jg., Nr. 34 (Woche 16.08. bis 22.08.2010, S. 29 m. 1 Abb.) unter dem Titel >>"Es war ein schönes Theater" - Der "Sommernachtstraum" in Murnau 1910 ging in die Chronik der berühmten Münchner Kunstfeste ein<<
(24.08.2010 19:42) Von ID |
|
|
|
SPENDEN
|
|
Sie wollen spenden?
Wenn Sie auf die Schaltfläche klicken, werden Sie auf eine sichere Seite von PayPal weiter- geleitet. Dort können Sie für die Stiftung Eule e.V. spenden.
|
|
|