| GRUPPE NEPTUN |
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grupo Neptun Neptun denomina o grupo brasileiro precursor da associação Ëule registrada na Alemanha
Neptun designates the Brazilian group which was the precursor of the Eule society registered in Germany
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2010_009 Ausstellung in Fischbachau.
Christel Nunn zeigt Hinterglasbilder – Acrylmalerei – Spanschachteln
Wer im August nach Fischbachau kommt, sollte unbedingt einen Besuch im Rathaus einplanen. Denn vom 21. bis 29.08.2010 werden im Sitzungssaal einmal keine hitzigen Debatten geführt – vielmehr hält dort die Kunst Einzug, wenn Christel Nunn in einer Ausstellung selbstgemalte Hinterglasbilder, Acrylmalerei, dekorativ bemalte Spanschachteln, Gänse- und Hühnereier mit einem "Hinterglas-Innenleben" und einiges mehr zeigt.
Dabei wird es dieses Mal eine Besonderheit geben …
Der Motivreigen erstreckt sich von Landschaftsbildern mit Kapellen zwischen Chiemsee und Schliersee über Blumen- und Vogelmotive, Jahreszeiten, bis hin zu den in der traditionellen volkstümlichen Hinterglasmalerei vorkommenden Trachtendarstellungen, Heiligen, Namenspatronen und verschiedenen Andachtsbildern. Ein wahres Farb-Feuerwerk für’s Auge sind die Hinterglasbilder (Ölmalerei auf altem Glas) sowie edel wirkende Goldradierungen und filigrane Miniaturen für Klosterarbeiten.
„Ich schlief, aber mein Herz war wach“
Nicht fehlen darf dabei ein in der Volkskunst besonders beliebtes Motiv, das nicht nur Hinterglasbilder, sondern auch Bauernschränke, Bettladen und Spitzenbilder schmückt – das auf dem Kreuz liegende Jesuskind. Dargestellt wird es in verschiedenen Fassungen, oftmals mit Totenkopf und Marterwerkzeugen, die auf Tod und Erlösung hinweisen. Gelegentlich ist es versehen mit dem Schriftzug „Ich lieg und schlaf als wie ein Kind biß ich aufsteh und straf die Sind“.
Auch wenn dadurch ein Bezug zum Hohenlied (V. 2, „Ich schlief, aber mein Herz war wach“) besteht, weiß man eigentlich nicht, woher genau das uns heute seltsam erscheinende Motiv kommt. Vielmehr scheint es sich seit dem Mittelalter aus mehreren verschiedenen Vorbildern (beispielsweise aus der italienischen und spanischen Malerei des 17. Jahrhunderts) und sogar aus unterschiedlichen Kulturen entwickelt zu haben. In Verbindung gebracht wird es nämlich mit dem schlafenden Eros der hellenistischen Kunst im Totenkult. Auffallend ist aber auch die Nähe zu Darstellungen des liegenden sterbenden oder toten Buddha.
Beliebt auch bei Künstlern der Moderne
Sogar die modernen Künstler der Avantgarde begeisterten sich, als sie vor hundert Jahren nach Murnau kamen, für Hinterglasbilder mit dem liegenden Jesusknaben:
Kurz nachdem sie sich von Heinrich Rambold in die Technik des Hinterglasmalens hat einweihen lassen, malte Münter um 1909 selbst ein derartiges Hinterglasbild. Außerdem bereicherten sie und Wassily Kandinsky ihre Hinterglasbilder-Sammlung um entsprechende Bilder von Rambold.
Franz Marc und Kandinsky liehen sich schließlich eines aus der umfangreichen Sammlung des Murnauer Braumeisters Johann Krötz aus, um es im Almanach „Der Blaue Reiter“ zu reproduzieren (heute ist es im Oberammergau Museum).
Daß sich auch Marianne von Werefkin ausgerechnet für das liegende Kindl begeisterte und es hinter Glas malte, hat Dr. Bernd Fäthke herausgefunden.
Wir wissen nicht, ob die Malerin ein Hinterglasbild kopierte - vielleicht sogar, wie Münter, eines von Rambold, der es in mehreren Fassungen malte. Interessanterweise zeigt Werefkins Hinterglasbild – das heute als verschollen gilt und nur noch durch ein Foto dokumentiert ist – große Ähnlichkeit mit dem „Schlafenden Jesulein“ eines Risses aus Raimundsreut (um 1800).
Vielleicht diente aber auch ihr als Vorlage – wie den Hinterglasmalern der bekannten Hinterglasmal-Zentren - eine der zahlreichen Graphiken? Denn kleine volkstümliche Andachtsbilder des 18. Jahrhunderts, vertrieben als populäre Graphik, gelangten buchstäblich in alle Welt und wurden bis ins 20. Jahrhundert hinein besonders gerne als Vorlage für querformatige volkstümliche Hinterglasbilder benutzt.
Dutzendweis' Liegende Jesuskindl
Wie wurde das liegende Jesuskind einst in den bekannten Hinterglasmal-Zentren dargestellt?
Christel Nunn ist einmal dieser interessanten Frage nachgegangen und setzte ihre Entdeckungen in eigene Hinterglasbilder um.
Erstaunlich, daß dabei 21 Darstellungen aus den verschiedenen Herstellungsorten herausgekommen sind! Die ursprünglich nur für sich privat gemalten Bilder wird die Künstlerin nun in Fischbachau auf einer eigenen Ausstellungswand vorstellen:
Kindl, den Kopf lässig auf den Arm gestützt, den Blick in die weite Ferne gerichtet;
auf's Kreuz hingeschmiegte dralle Kindl mit Kuß-Mündchen, Doppelkinn und frisch ondulierten, sauber gescheitelten Haaren, mit verträumt blauen Augen vor sich hin sinnierend, während im Hintergrund der Vesuv raucht.
Selig vor sich hinschlafende Kindl - dem Schnarchen nahe.
Kindl, züchtig mit Lendentuch verhüllt, oder angezogen mit knappsten Kleidln aus verziertem Stoff oder aus kostbarer Spitze. ...
Der Hintergrund der Bilder reicht von verschiedenen blumen-geschmückten Landschaften (die natürlich eine ikonografische Bedeutung haben) bis zu bühnenartigen Darstellungen mit Architekturteilen und Vorhängen.
Bei einer derartigen Übersicht wird deutlich, daß jede Gegend ihre eigene Art und Besonderheiten hatte, ein Motiv – auch wenn es auf die „hohe“ Kunst zurückgeht - volkstümlich darzustellen.
Wir zeigen hier eine kleine Auswahl von Christel Nunns hinter Glas gemalten Liegenden Jesuskindln.
Wer nun wissen möchte, aus welchem Herstellungsort sie im einzelnen stammen – ob aus Oberbayern, dem Bayerischen Wald, aus Böhmen oder Österreich, dem Schwarzwald, oder gar aus Italien oder Frankreich - der ist gerne eingeladen, die Lösung schon bei der Vernissage am 20. August 2010 um 19 Uhr zu suchen.
Die sehenswerte Ausstellung – bei der viele der mehr als 300 Exponate erworben oder bestellt werden können - ist täglich von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.
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Hinweis:
Unser Beitrag erschien in leicht gekürzter Fassung in: Altbayerische Heimatpost, 62. Jg., Nr. 31 (Woche 26.7. bis 1.8.2010, S. 9 (m. 1 Abb.)
(30.07.2010 18:07) Von ID |
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